Neu:

Jetzt auch Mittwochvormittag Sprechstunde!
Nach telefonischer Vereinbarung.

Giardien

Infos über Giardien

Aktuelle Informationen

11.07.2019

 

Einige Infos über die lästigen Parasiten und Neuigkeiten über den Umgang mit einer Giardieninfektion erfahren sie hier.

Giardien gibt es schon sehr lange, schon die Dinosaurier mussten sich mit Ihnen herumschlagen. Sie sind auch heute noch weltweit verbreitet und befallen Menschen und Tiere. In gemäßigten Zonen (wie bei uns) sind bis zu 25% der Kinder und 10% der Erwachsenen infiziert. Ein gutes Immunsystem kommt mit dem Erreger jedoch problemlos klar.

Ähnlich ergeht es unseren Haustieren: bei den Giardien handelt es sich um den häufigsten Darmparasit von Hund und Katze. Bei Hunden sind 20%, bei Katzen 10% infiziert, wenn man Jungtiere oder Tiere aus dem Tierheim untersucht, sind es noch deutlich mehr. 

Die meisten Infektionen laufen auch bei Hund und Katze harmlos ab und sind schnell wieder vorbei. In seltenen Fällen kann es jedoch zu deutlichen Magen-Darm-Symptomen kommen, die dann eine Therapie notwendig machen. 

Man geht inzwischen allerdings davon aus, dass eine absolute Giardienfreiheit wie sie früher angestrebt wurde bei Freiläuferkatzen und Hunden utopisch ist. Giardien befinden sich überall in der Umwelt und bleiben wochenlang infektiös. Es ist anzunehmen dass ständige Reinfektionen möglich bzw. sogar sehr wahrscheinlich sind.

Ziel ist deshalb die Symptomfreiheit des Patienten- und nicht der negative Giardientest 

Wir therapieren also nur noch bei Symptomen (und nicht wenn nur der Test positiv ist und das Tier überhaupt keine Symptome hat). Sind die Tiere nach der Therapie symptomfrei entfällt auch das früher übliche Nachtesten. 

Eine Mitbehandlung symptomfreier Tiere im Haushalt ist in den meisten Fällen nicht nötig

Das heißt natürlich auch: es macht keine Sinn symptomlose Tiere zu testen!

Wenn ein Tier passende Magen- Darm-Symptome hat (z.B. schleimiger Kot mit Blutspuren) sollte natürlich auf Giardien getestet werden und bei einem positiven Befund sollte dann auch eine Therapie stattfinden.

Zur Therapie: 

Es sind für Hunde und Katzen zwei Wirkstoffe zugelassen: Fenbendzol (z.B. Panakur) und Metronidazol. In vielen Fällen wird man zuerst Fenbendazol einsetzen, da es nebenwirkungsärmer ist als Metronidazol.

Die oft propagierte kohlenhydratarme Ernährung um die Giardien „auszuhungern“ ist ein Gerücht, es gibt keine Untersuchungen dazu dass diese Art der Ernährung dem Körper helfen würde die Giardien zu bekämpfen. Sie schadet aber auch nicht. 

Zum Infektionsrisiko für uns Menschen: 

Das Infektionsrisiko für Menschen ist generell als sehr gering einzustufen. Es gibt bei den Giardien verschiedene Subtypen (A, B bei Menschen, C, D, F bei Tieren). Diese sind sehr spezialisiert, werden nur selten von einer auf die andere Spezies übertragen (d.h. es ist sehr unwahrscheinlich, dass man sich als Mensch bei einem Hund oder einer Katze ansteckt). 

ACHTUNG!  Ein wichtige Ausnahme gibt es jedoch:

wenn stark immunsupprimierte Personen (nach Organtransplantation, HIV Infektion,...)  in Kontakt mit dem Tier kommen:  hier kann das Infektionsrisiko für den Menschen relevant sein. Dann sollte natürlich getestet und ggf. behandelt werden auch wenn das Tier keine Symptome zeigt. Außerdem sollten alle Hygienemaßnahmen beachtet werden um jegliches Risiko zu reduzieren. In solchen Fällen kann man auch den Kot mit einer speziellen Untersuchung (PCR) testen lassen um herauszufinden ob für den Menschen gefährliche Subtypen von Giardien vorhanden sind. 

 

Eine weitere Ausnahme im Umgang mit Giardieninfektionen gibt es bei Katzen in reiner Wohnungshaltung ohne Außenkontakte:

hier kann und soll man Giardienfreiheit weiterhin anstreben. Das heißt also bei reiner Wohnungskatzenhaltung/Katzenzuchten: bei Infektion alle Tiere behandeln und nachtesten ob negativ (ggf auch mit einer MIFC Untersuchung des Kots), alle Hygienemaßnahmen beachten und Neuankömmlinge vorher testen und ggf. behandeln bevor sie in die Gruppe integriert werden.

 

Quellen: 

Wikipedia

Pantchev N. Giardien bei Hund und Katze. Kompendium Kleintier 2018; 11: 23–28

Persönl. Mitteilung Dr. Stefan Unterer, PD, Oberarzt der Abteilung Gastroenterologie für Kleintiere der LMU München

Ralf Rückert Blog